Informatik und Kram

Da wir lange nicht wußten, wo wir das für die Uni ausgearbeitete Material unterbringen sollten und auch einen schrecklichen Drang hatten der Welt diverse Sachen aufzudrücken...

Massig Speicher fürs LAN
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Jam, endlich auf Dateien aus dem Netzwerk zugreifen. Es muss nicht immer irgend ein Server laufen, damit man vom Laptop aus auf die Musik zugreifen kann. Und ich persönlich schlepp nicht ständig meine komplette Musiksammlung mit mir rum. Hab mir ja net umsonst einen "ultra-portable" laptop gekauft!
Das Prinzip ist klar, nur welches nehmen? Viele Netzwerkfestplatten (NAS), die man so im Handel im üblichen Externen Fesplatten Style bekommt, sind exotische Backup-Platten von Maxtor, die nur mit spezieller Software laufen. Und sowas kommt mir ja mal gar nicht ins Haus. NFS, ja! Und Samba! Ne gescheite Userverwaltung. Und billig, und für 2 Festplatten....
Gesucht, gegoogelt und bei Ebay gefunden: Ein "NAS DUAL HDD" eines seriösen Verkäufers inkl. Versand für gerade mal 80 Takken. Und es ist Weihnachten, was will man mehr?
Hier ein Paar Protokolle als Futter für die Suchmaschinen: FTP, CIFS, NFS, SMB, NBNS, DHCP, TCP/IP und ITunes Server. Hört sich gut an.
Das Ding erst mal ausgepackt und gefreut: Qualitätsware aus China und noch ein "Internetkabel" gratis dazu. Ob ich jetzt mal schnell den beschissenen Alice Vertrag kündigen kann?
Ich habe mich für die IDE Version entschieden, schließlich habe ich noch 2 Festplatten hier rumliegen. Und über die eingebaute 10/100 Mbit Netzwerkkarte gehen eh nicht mehr als, sagen wir optimistisch geschätzt, 12 Megabyte pro Sekunde.
So, jetzt hab ich das rumliegen und steck erst mal beide Festplatten rein und nix passiert. Schön, das is ja schon mal toll. Also die Festplatten wieder rausgemacht und die NAS holt sich brav über DHCP im Netzwerk ne IP und man kann schon mal das Menü in Augenschein nehmen. Jahaa, das Ding kommt aus China, also gleich mal die deutsche Menüführung deaktivieren. Und noch ne Uralte Seagate Festplatte mit 2 GB rein und noch mal neu gestartet und die wird erkannt. Jetzt kann man wahlweise die erkannte Festplatte mit ext3 oder fat32 formatieren, oder aber die Partition mit einem Passwort verschlüsseln. Das wollte ich erst machen, aber dann muss man das Passwort einmal eingeben, eine erneute Abfrage erfolgt nicht. Na hoffentlich hat man sich nicht vertippt. Und mit Verschlüsselung funktioniert auch nur ext2, ich weiss ja nicht: Ein Journal hätt ich schon gerne.
So, dann habe ich mich mal im Internet ein wenig danach umgeschaut. "DUAL NAS HDD" findet bei Google einiges, aber auch nicht wirklich was passendes. Aha, da! Die NAS ist ein NAS von der Firma Multicase Computer GmbH, und zwar ein HD-35N1. Das ist doch mal was! Da gibts auch gleich ein neues Firmware Update und die sind ja immer gut. Es gibt auch wohl noch eine alternative Firmare, die auf einer anderen NAS läuft, aber soweit bin ich dann doch noch nicht gegangen, denn: das neue Update bietet einem vollen Telnetzugang, und das find ich geil.
Nach dem Firmwareupdate kann man wie gesagt mit Telnet auf die Kiste. Und wenn man sich da so umschaut, sieht das schon mal interessant aus. Wo liegt das eigentlich alles, was ist das für ein System? Da erst mal durchzusteigen kann echt lange dauern. So wird beim Booten das das Rootfs aus dem Flash geladen. Und welche Bereiche was sind, zeigt uns:
nas> cat /proc/mtd 
dev:    size   erasesize  name
mtd0: 00020000 00010000 "RedBoot"
mtd1: 00180000 00010000 "Kernel"
mtd2: 00200000 00010000 "Ramdisk"
mtd3: 00420000 00010000 "Application"
mtd4: 00010000 00010000 "VCTL"
mtd5: 00020000 00010000 "CurConf"
mtd6: 00010000 00010000 "FIS directory"
Außerdem wird auf der ersten verbauten Festplatte eine Systempartition angelegt, die unter /system/ eingehängt wird. Jetzt denkt man sich, ok, dann kann man da ein paar Einstellungen vornehmen, aber Pustekuchen, lediglich /system/hddapp/etc/{exports,samba/smb.conf,proftpd.conf} werden beim booten zuerst in ein temporäres Verzeichnis verschoben, anschließend wird mtd3 nach /system kopiert und dann kommen die 3 Dateien wieder zurück. Umständlich hoch zehn und unterbindet natürlich alles, was man von Hand eingeben will.
Nachdem ich dann meine 2 Festplatten laufen hatte, stellte sich die Frage, ob ich denn jetzt ein RAID einrichte oder nicht. Denn nur mit einem RAID kann man auf beide Festplatten aus dem Menü alle Einstellungen machen. Aber irgendwie will ich das gar nicht, außerdem weiss ich auch gar nicht, wo ich die Daten zwischenspeichere: Für ein RAID hätte ich alle Platten neu formatieren müssen. Also nur eine Leergeräumt und da erst mal das System installiert und die 2. später von Hand eingehängt. Jetzt erst mal ein Backup mit rsync und NFS fahren.
Jaaa und dann fings an. Zuerst einmal fließen die Daten mit unglaublichen 500 kb im Durchschnitt bei vielen kleinen Dateien über die Leitung und dann legte das Ding nach 4-5 Stunden mein komplettes Netzwerk lahm und war nicht mehr erreichbar. Damit die NAS wieder erreichbar wird musste ich die Systemplatte an den anderen IDE Port hängen und einmal neu starten. Danach konnte ich beide Platten wie gewohnt anhängen und alles lief wieder. Außerdem liefen beide Platten ständig und nach kurzer Zeit schaltet sich zudem noch der äußerst laute Lüfter des Gehäuses an, der brummt wie ein ganz großer. Das Powermangement war aus dem Menü gänzlich verschwunden. Nur ein manuelles hdparm -S6 /dev/hd{b,c} schaltete die Platten nach 30 Sekunden leerlauf in den Stromsparmodus. Ob der Fehler jetzt von starken Hitze der Festplatten abhängt, konnte ich so nicht feststellen. Fakt ist, dass der Lüfter völlig deplaziert ist. Direkt hinter dem Lüfter im Gehäuse sind die 2 IDE-Kabel verbaut, eine Luftzirkulation ist so nicht Möglich. Ich werde in den nächsten Tagen wohl den Lüfter gegen einen leisen Papstkühler tauschen und die Kabel eventuell zusammenfriemeln.
Nu denn, soviel erst mal zu dem Teil selber. Für 80 Euro erhält man eine NAS, die viel Potenzial bietet. Die Firmware und die Sourcen dafür sind unter GPL auf der Homepage von Multicase verfügbar. Man muss aber schon viel daran rumschrauben, damit alles richtig damit läuft. Wie man den Telnetzugang mit einem Passwort versieht und so weiter werde ich in einem Artikel noch mal ausführlich beschreiben. Zur Performance ist zu sagen. Habe nicht viel getestet, aber mit NFS krieg ich etwa 6MB und mit SMB ca. 3 MB durch die Leitung. Wie sich das Hitzeproblem mit einem neuen Lüfter in den Griff bekommen lässt wird auch die Zukunft zeigen.

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